Geschichte der Heiliggeistkirche:
Das Freisinger Heiliggeistspital geht auf eine Initiative des Dommagisters Konrad Gaymann zurück. Wohl unter dem Eindruck einer Pestepidemie, die 1374 in Bayern wütete, bestimmte er testamentarisch, dass nach seinem Tod sein gesamtes Vermögen zur Errichtung eines Hauses für Arme und Kranke verwendet werden sollte. Schon bald begannen die Bauarbeiten.
Archäologische Untersuchungen haben ergeben, dass direkt am Moosachufer ein zweischiffiges Saalgebäude errichtet wurde. Die Lage am Moosacharm wurde aus hygienischen Gründen bewusst gewählt.
Nördlich vom Spital befanden sich die Ökonomiegebäude und eine erste Kapelle, einen geosteten, einschiffigen Saalbau mit polygonalem Chor und einen Turm an der Nordseite.
Die Münchner Patrizierfamilien Kopffenperger und Kolb stifteten 1416 ein beträchtliches Vermögen für eine tägliche Messe. Die wieder freigelegte Inschrift von 1750 am Chorbogen erinnert bis zum heutigen Tag daran. Unter Bischof Sixtus von Tannberg wurde die Spitalkirche 1489 umgebaut.
Durch den Dreißigjährigen Krieg gerieten das Spital und seine Kirche in einen desolaten Zustand. Deshalb erfolgte 1686 die Grundsteinlegung für einen Spitalneubau, der eine neue, größere Kirche erhalten sollte, die dem Heiligen Geist geweiht wurde. Als Baumeister des Spitalgebäudes ist der Münchner Architekt Max Geiger belegt. Vermutlich errichtete er auch die barocke Heiliggeistkirche. Im Jahr 1697 weihte Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing das neue Gotteshaus ein. Das Weihedatum ist auf der großen Uhr vermerkt, die über dem Chorbogen hängt.
Bis zur Säkularisation verwalteten das Domkapitel und der Rat der Stadt Freising das Spital paritätisch. Im Jahr 1803 wurde es der kurfürstlichen Administration unterstellt. Diese wies es dem Armenfond der Stadt Freising zu, aus dem noch das Waisen-, Armen- und Krankenhaus finanziert wurde. Die Heiliggeistspitalstiftung ist seit 1855 seine Trägerin, das Gebäude dient heute als Senioren- und Pflegeheim.
Spitalgebäude und Kirche
Das Heiliggeistspital und die Kirche stehen an der östlichen Grenze der Freisinger Altstadt. Das barocke Spitalgebäude ist eine imposante, dreigeschossige Anlage. Vier Gebäudeflügel gruppieren sich um einen Innenhof. Die Kirche wurde als Verlängerung des Westtraktes erbaut. Ihre Fassade gliedern vier Pilaster, das Kirchenportal wird durch einen Sprenggiebel akzentuiert. Der Turm hat einen geschweiften Helm aus Kupferblech.
Der Raum und seine Ausstattung
Die Heiliggeistkirche ist ein einschiffiger Saalraum mit Wandpfeilern, auf denen ein gedrücktes Tonnengewölbe ruht. Durch die Fensteröffnungen im Osten und Norden konnten gebrechliche Spitalbewohner von den Krankensälen aus den Gottesdienst verfolgen. Das Hochaltarretabel von 1697 ist mit seinen gewundenen, gesandelten Säulen und dem reichen Akanthusrankenschmuck im Auszug ein schönes Beispiel der Altarbaukunst um 1700. Das große Wappen über dem Altarbild erinnert an den Stifter Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing. Die Seitenaltäre sind jünger als der Choraltar, sie dürften um 1720 entstanden sein. Anstelle der verloren gegangenen Altarblätter stehen heute in den Mittelnischen als Holzfiguren ein Ecce-Homo-Bild und eine Schmerzensmutter. Der Kreuzaltar wurde 1754 errichtet. Trauernde Putten mit den Leidenswerkszeugen umschweben Christus und die Muttergottes. Neben dem Marmorgrabstein von 1713 des Christian Graf von Königsfeld, der als 2. Stifter des Spitals gilt, beeindruckt vor allem das Holzepitaph des Geistlichen Johann Ulrich Hegelin, seitlich des westlichen Eingangsportals. Hegelin war Chorherr an der Stiftskirche St. Johannes und der Benefiziat des Heiliggeistspitals.
In den Jahren 1988 bis 1991 erfolgte eine Grundsanierung des Heiliggeistspitals und von 2001 bis 2004 wurde die Heiliggeistkirche total renoviert. Zur Zeit (2006) wird für die Heiliggeistkirche von einem südböhmischen Orgelbauer eine neue Orgel (1 Manual und 11 Register) gebaut. Sie soll in der zweiten Jahreshälfte 2007 fertig gestellt sein und geweiht werden. Das nebenstehende Bild zeigt den Orgelkasten mit den tschechischen Orgelbauern.
Die geistliche Betreuung erfolgt durch Priester der Pfarrei St. Georg. Diese werden bei den heiligen Eucharistiefeiern an den Sonntagen um 8:00 Uhr und an den Freitagen um 16:30 Uhr unterstützt von Lektoren/innen, sowie Kommunionhelfer/innen, die bettlägerigen oder gehunfähigen alten Menschen die heilige Kommunion auf ihr Zimmer bringen.
-
Sigmund Carpentier

